Vergleich ID.4 & Skoda ENYAQ iV 80

Insights/ Juni 16, 2022/ Allgemein, Techzeug/ 0Kommentare

Der häufigste Kommentar unter meinem Vergleich des Skoda ENYAQ mit dem Tesla Model Y war der Wunsch, dass ich bitte auch den dort kurz erwähnten Vergleich von ENYAQ mit seinem Konzernbruder, dem VW ID.4, zeitnah veröffentlichen solle.

 

Was ich hiermit nun gerne tue.

 

Die Grundlage beider Autos ist die MEB-Plattform von VW. Damit baut VW inzwischen eine breite Palette an grundsätzlich sehr alltagstauglichen reinen Elektroautos. Vom ID.3 über den ID.4 und ID.5, dem Skoda ENYAQ in den Varianten iV 80, 80x oder RS, dem Audi E-tron Q4 bis zum Cupra Born sind inzwischen einige recht unterschiedliche Autos theoretisch erhältlich. Theoretisch deshalb, weil die Lieferzeiten für viele dieser Modelle mittlerweile auf 1 1/2 bis 2 Jahre angestiegen sind.

 

In der Praxis kann man auf der MEB-Basis nun wählen, ob man einen eher unspektakulären Golf Nachfolger (ID.3), einen sportlichen City-Flitzer (Cupra Born) oder einen Family-Van (ID.4, ENYAQ oder Audi Q4) oder lieber ein Sport-Coupé (ENYAQ Coupé oder ID.5) fahren möchte. Ganz neu hinzugekommen ist zudem der VW ID BUZZ, welcher den guten alten VW Bus vollelektrisch machen soll.

 

Was mich allerdings sehr überrascht hat – und hier wird sich dieser Artikel deutlich von meinem „Model Y vs. ENYAQ„-Vergleich unterscheiden – ist das nach meinem Empfinden unerwartet deutliche qualitative Auseinanderdriften zwischen dem ID.4 und dem ENYAQ. Während ich mich bis heute noch nicht entscheiden kann, ob mir der Tesla oder der Skoda besser gefällt, so fiel mir die Entscheidung bei der Frage „ID.4 oder ENYAQ?“ überraschend leicht. Und das trotz eines vorher existierenden Bias zugunsten von VW, da ich viele Jahre gerne einen VW Golf und einen VW EOS besessen habe, aber noch nie einen Skoda gefahren bin.

 

Ich gehe im Folgenden übrigens ausdrücklich nicht auf Werte ein, die sich beide Fahrzeuge teilen. Akkugröße, Ladegeschwindigkeit, Funktionsumfang der Assistenten, PS, Drehmoment und Beschleunigung etc. sind in beiden Autos aufgrund der gemeinsam geteilten MEB-Plattform natürlich vollkommen identisch und insofern ausdrücklich nicht Gegenstand dieses Vergleiches. Wer derartige technische Daten zu einem der beiden Autos sucht, wird dank Google sicher schnell woanders fündig werden.

 

Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich will mit diesem Artikel keinen Streit mit ID.4-Fahrern produzieren. Der ID.4 ist für sich genommen ein tolles Auto und viele tolle Eigenschaften haben der ID.4 und der ENYAQ gemein, bzw. ohne die Entwicklungsarbeit von VW würde der ENYAQ diese Eigenschaften gar nicht besitzen.

Ich bemühe mich grundsätzlich auch immer um Objektivität (ob mir das jedesmal gelingt, sei mal dahingestellt). Allerdings sind hier die Fakten aus meiner Sicht (leider!) recht eindeutig. Aber urteilt bitte einfach selbst. Ich freue mich auch über eine faire und freundliche Diskussion in den Kommentaren.

ID.4 Cockpit
ENYAQ Cockpit

Wir steigen in das Thema vielleicht am besten mit einer Übersicht ein, bei welchen Punkten der ENYAQ dem ID.4 klar überlegen ist. Teilweise handelt es sich dabei um Kleinigkeiten, teilweise aber auch um durchaus bedeutende Unterschiede:

 

Vorteile ENYAQ im Vergleich zum ID.4


  • Größerer Monitor (13” beim ENYAQ vs. 12” beim ID.4 (in der jeweils größten Version))
  • ein cw-Wert von 0,26 (im Gegensatz zu einem cw-Wert von 0,28 beim ID.4)
  • Daraus resultierend auch ein niedrigerer Verbrauch und eine leicht höhere Reichweite (534 vs. 522 km)
  • Eine echte Tastenreihe im Innenraum z.B. für das Klima statt alles nur via Touchscreen erreichen zu können
  • Tasten am Lenkrad mit haptischem Feedback statt seltsamer Plastikfolien mit viel Potential zur versehentlichen Auslösung (ein Gegenstand von Kritik in zahllosen ID.4-Test-Videos)
  • Der ENYAQ ist 7 cm länger und 3cm breiter und bietet damit mehr Platz & Beinfreiheit für Insassen
  • Ein etwas gemütlicherer und schickerer Innenraum (der ID.4 wirkt eher kalt und nüchtern)
  • Viel mehr Ablagefläche in der Mittelkonsole als beim ID.4
  • Eine breite Armlehne in der Mitte mit Stauraum darunter (anstelle von zwei fipsigen Einzelarmlehnen)
  • Kleine Gimmicks wie z.B. ein eingebauter Eiskratzer in der Heckklappe oder ein Regenschirm in der Tür
  • Ein praktisches eigenes Fach für Fahrzeugpapiere und die Ladekarten links neben dem Lenkrad
  • Ein um 42 Liter größeres Kofferaumvolumen (585 Liter vs. 543 Liter)
  • Ein um 135 Liter größeres Kofferraumvolumen bei umgeklappten Sitzen (1.710 Liter vs. 1.575 Liter)
  • Der Kofferraumboden und die Ladekante sind auf einer Höhe (beim ID.4 hat man eine hohe Schwelle)
  • Grundgebühr-freier Powerpass im ersten Jahr als Ladekarte mit niedrigen kWh-Preisen
  • Und preislich ist der ENYAQ am Ende auch noch etwas günstiger als der ID.4

Das klingt teilweise vielleicht etwas subjektiv und natürlich ist ein Auto immer auch ein Emotions- und Geschmacksthema. Aber was sowohl Freunde und Bekannte in unserem ENYAQ, aber auch viele Tester auf YouTube (inkl. Auto Motor Sport und anderen etablierten Magazinen) immer wieder als Erstes sagen, wenn sie sich in einen ENYAQ reinsetzen, ist das Erstaunen über die wirklich hochwertige Anmutung. Vor allem, wenn sie vorher schon einmal in einem ID.3 oder ID.4 gesessen haben.

 

Dass der ID.3 innen gefühlt ein ziemlicher Plastikbomber ist, ist ja kein Geheimnis und war Gegenstand der Kritik in nahezu allen auch nur halbwegs neutralen Testvideos. Der ID.4 wirkt zwar im Vergleich dazu schon etwas hochwertiger, aber an die Anmutung und die edel wirkenden Stoff- oder Lederüberzüge des ENYAQ auch im Bereich des Armaturenbrettes oder den Seitenteilen kommt er mit seinem häufiger verwendeten (Hart-)Plastik einfach nicht ran.

 

Eine Freundin meiner Frau meinte nach einer Langstrecke im ENYAQ auf dem Beifahrersitz, der Wagen würde sich wie ein fahrendes Wohnzimmer anfühlen. Lustigerweise ist es genau das, was der Designer des Innenraumes in einem Video zu dem Reporter gesagt hatte: dass es das Ziel war, dass sich Familien in dem Auto so wohl fühlen, wie zuhause in ihrem Wohnzimmer.

 

„Mission accomplished!“ würde ich da mal sagen.

ID4-Ruecksitze
Rückbank ID.4
Rückbank ENYAQ

Bei der Außengestaltung ist es am Ende Geschmackssache, ob einem das eher runde ID.4-Design liegt oder das eher Skonda-kantige ENYAQ-Design. Der ENYAQ sieht – auch aufgrund des dicken Pseudo-Kühlergrills) noch eher wie ein konventionelles Auto aus, als der ID.4. Ob man hier lieber noch in der Masse der Verbrenner unerkannt mitschwimmen oder ein Statement für die E-Mobilität setzen will, ist am Ende mehr eine Frage der persönlichen Präferenz. Aber spätestens wenn man mit weniger als 30 km/h an jemandem vorbeifährt, gibt der laute AVAS-Raumschiffsound beider Fahrzeuge gleichermaßen klar zu erkennen, dass es sich um ein E-Auto handelt. Hier finde ich beide Autos grundsätzlich gut gelungen und wenn der ENYAQ exakt so aussehen würde, wie der ID.4 wäre das für mich auch völlig in Ordnung gewesen.

 

Ich fand es allerdings recht überraschend, dass die rundere Form des ID.4 am Ende dennoch den schlechteren cw-Wert zur Folge hatte. Beim WLTP-Zyklus spielen die 12 km Unterschied natürlich kaum eine Rolle, aber wenn man mal auf der Autobahn längere Zeit schneller als 130 km/h fährt, lässt sich die Physik natürlich auf Dauer nicht verleugnen.

 

Wie oben in der Liste schon angesprochen ist der ENYAQ mit den Maßen 465x188x162 cm ganze 7 cm länger und 3 cm breiter als der ID.4 mit den Maßen 458x185x163 cm. Laut einigen körperlich großen Testern (Car Maniac, Stefan Möller von Nextmove und dem englischen Kanal MEDCARS) spürt man die 7 cm Unterschied vor allem bei der Beinfreiheit hinter dem Fahrersitz, wenn der Fahrer ein großer Mensch ist.

 

Ich kann dazu nur sagen, dass mir als 1,93 m großem Menschen der Platz vorne im ENYAQ gut ausreicht und meine 1,80 m große Tochter dahinter noch halbwegs bequem sitzen kann. Weniger dürfte es aber wirklich nicht sein und wenn der ID.4 hier auch nur 5 cm weniger Platz bieten sollte, würde das einen von uns beiden definitiv spürbar einschränken. Sollte jetzt jemand anführen, dass kürzere Autos in der Stadt Vorteile beim Parken bieten würden, so glaube ich wiederum kaum, dass es wesentlich häufiger als ein oder zweimal im Jahr genau an den paar Zentimetern scheitern dürfte, dass man rückwärts nicht in die Parklücke einparken konnte.

 

Und wer ernsthaft einen großstadttauglichen City-Flitzer sucht, sollte sich mal den neuen Fiat 500e näher anschauen. Den gibt es sogar als (annäherndes) Cabrio und mit 363 cm Länge kommt man dann tatsächlich in Parklücken rein, in die ein ENYAQ oder ein ID.4 nicht mehr reinpassen würden.

 

Um aber auch die potentiellen Nachteile des ENYAQ nicht zu verschweigen:
Was einigen größeren Menschen im ENYAQ aufgefallen ist, ist eine etwas geringere Beinfreiheit des rechten Beines auf dem Fahrersitz aufgrund der Form der Mittelkonsole. Mich hat es ebenfalls ganz am Anfang einmal kurz gestört. Aber nach dem richtigen Einstellen des Sitzes habe ich schnell eine Position gefunden, bei der die Beinfreiheit nie wieder ein Thema gewesen ist. Auch nicht auf
den 5.500 km Urlaubsreise durch Frankreich und Spanien. Und weder als Fahrer noch als Beifahrer (dann natürlich beim linken Bein 😉). Ob einen das am Ende also stört oder nicht, sollte jeder einmal selbst bei einem Probesitzen ausprobieren (vor allem jeder große Mensch).

 

Dafür war ich bei meinem ersten Sitzen in einem ID.4 ernsthaft erschrocken, wie wenig Ablagefläche dieser in der Mittelkonsole bietet. Was man auf dem Cockpit-Photo oben nicht wirklich gut sieht, ist die große Ablagefläche im ENYAQ noch einmal unterhalb der Getränkehalter sowie das große Fach unter der Armlehne. (Den Schlitz für die Einkaufswagenmünze neben dem Fahrtrichtungsschalter finde ich übrigens ebenfalls ganz praktisch).

 

Die folgenden beiden Bilder verdeutlichen das Thema Ablagefläche in der Mittelkonsole vielleicht etwas besser:

Kleine Armlehnen & wenig Ablagefläche im ID.4
Breite Armlehne & jede Menge Ablage im ENYAQ

Thema Kofferraum

Wie schon oben in den Stichtpunkten aufgelistet unterscheiden sich der ENYAQ und der ID.4 noch einmal stark beim Kofferraum. Mir ist nicht ganz klar, wie Skoda aus nur 7 cm mehr Länge und 3 cm mehr Breite (bei 1 cm weniger Höhe) am Ende sowohl deutlich mehr Platz für die Insassen als auch deutlich mehr Platz im Kofferraum herausholt, aber die Zahlen sprechen nun einmal für sich. 42 Liter bzw. 135 Liter mögen sich nicht nach viel anhören, aber wir reden hier letztlich doch über jeweils rund 8% mehr Volumen. 42 Liter sind z.B. knapp 2 Bierkästen mehr, 135 Liter machen sogar schon einen Unterschied von 5 bis 6 Bierkästen aus.

 

Noch einmal sehr überrascht war ich damals auch beim direkten Vergleich der beiden Kofferäume am lebenden Objekt. Mir ist nicht klar, wieso im Zeitalter von Autotests, wo immer wieder die Rede von angenehm niedrigen Ladekanten ist, überhaupt noch ein Kofferraumklappen-Design wie das vom ID.4 ernsthaft durch die Vorstudien mit den ersten Prototypen kommen kann. Aber seht einmal selbst: 

Kofferraumvergleich

Auch wenn man aus dieser Perspektive die Höhe der Ladekante des ID.4 leider nicht wirklich erkennen kann, so wird doch schnell klar, dass beim ENYAQ die Kofferraumklappe den Bereich des Nummernschildes noch „mit nach oben nimmt“ während der ID.4 diesen stehen lässt. Da beide Autos prinzipiell einen gleich hohen Ladeboden haben, muss der ID.4-Besitzer also alles entsprechend über diese (aus meiner Sicht völlig unnötige) Kante in den dahinter wieder tieferen Kofferaum heben.

 

Das kann nicht nur für kleinere oder weniger muskulöse Menschen ein Thema sein, wenn sie einen schweren Koffer oder einen Kasten Bier oder Wasser einladen wollen, sondern auch für Hundebesitzer, deren Hund dann über diese Kante passgenau in die dahinter tiefer liegende Box springen muss.

 

Auf die Gefahr, mich zu wiederholen, aber wer denkt sich heute soetwas überhaupt noch aus und wieso fällt das niemandem in den nachfolgenden Kontrollen, Tests und Autostudien auf?

Benutzerführung
Dieser Punkt mag jetzt ein bisschen dadurch eingefärbt sein, dass ich mich vielleicht schon nach wenigen Tagen an die ENYAQ-Nutzerführung gewöhnt hatte. Aber auch hier war das Interface des ID.4 zu meiner Überraschung unterschiedlicher, als ich es aufgrund der MEB-Verwandtschaft erwartet hätte. Skoda hat hier anscheinend doch einige Duftnoten setzen können (wenngleich nicht so extrem wie Audi mit dem ebenfalls auf der MEB-Plattform basierenden Q4) und im Ergebnis die (zumindest für mich) stimmigere User Experience abgeliefert. Aber auch hier würde ich jedem dringend empfehlen, sich einfach mal beide Autos anzuschauen und selbst zu entscheiden.

 

Dass die App für den ID.4 nicht einmal die Ladegeschwindigkeit in der üblichen Einheit kW anzeigt, sondern stattdessen nur Kilometer pro Minute, setzte dann für mich allerdings noch einmal einen oben drauf. Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass solche reinen Software-Themen leicht zu korrigieren wären…

 

Aber wären ist hier genau die entscheidende Zeitform. In den Foren benutze ich inzwischen wiederholt den Hashtag #VWundSoftware recht sarkastisch. Und wie lange es dauert, bis nicht nur der Kundenwunsch bei den Pappnasen bei VW durchdringt, die meinten, schlauer als Tesla, Renault, Nissan und Hyundai und die vielen anderen E-Auto-Hersteller sein zu müssen, die schon seit Jahren E-Autos mit einer Ladegeschwindigkeitsanzeige in kW ausliefern, ist schon fraglich. Und wann es dann die Änderung bei VW in den nächsten Sprint („Sprint“ ist ein Begriff aus der IT für die Organisation von Entwickler-Teams) schafft und an die Kunden ausgeliefert werden kann, weiß der Geier. (Habe ich gerade eigentlich tatsächlich die Begriffe Sprint und VW im selben Satz erwähnt? 🤔 )

 

Angesichts der mittlerweile doch sehr großen Kluft zwischen Ankündigung (jedes Quartal wird es ein OTA-Update (over the air software update) geben) und Realität (alle Bestandskunden warten seit Sommer 2021 auf die Auslieferung des ersten OTA) würde ich ehrlich gesagt hier auch nicht auf eine zeitnahe Verbesserung hoffen wollen.

Aber kann denn der ID.4 wirklich gar nichts besser?
Diese Frage habe ich mir natürlich auch gestellt. Skoda gilt ja eigentlich als die tendenziell günstigere Marke im VW-Konzern. Wie kann es da sein, dass vom Platzangebot über die Qualität und Anmutung des Innenraumes bis hin zur Software im ENYAQ alles ein bisschen besser als im ID.4 ist?


Und ein Feature ist mir dann tatsächlich nach einigem Überlegen aufgefallen, welches nur der ID.4 hat, der ENYAQ aber nicht. Und zwar handelt es sich dabei um das ID. Light. Mit diesem kommunizieren die ID. Modelle über ein schmales Lichtband unterhalb der Windschutzscheibe mit den Insassen im Auto.

 

D.h. wenn man die eingebaute Navigation benutzt, zeigt es einem beim Abbiegen an, ob man jetzt links oder rechts abbiegen soll. Oder ob gerade die Batterie geladen wird. Und abhängig davon, ob der Fahrer oder der Beifahrer die Sprachsteuerung im Auto aktiviert hat, antwortet ID. Light in weißer Farbe vor dem jeweiligen Insassen. Eingehende Telefonanrufe werden mit einem sanften grünen Blinken in der Mitte angekündigt und im Fall einer Notbremsung blinkt ID. Light leuchtend rot auf.

 

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: braucht man das wirklich?

Das muss am Ende jeder selber entscheiden. Klar wirkt es irgendwie cool und futuristisch, wenn ein Lichtband passend zur Situation vor einem pulsiert. Aber wenn man wirklich cool und futuristisch haben möchte, sollte man sich vielleicht auch mal einen Tesla näher anschauen. Da ist zwar auch bei weitem nicht alles Gold was glänzt, aber zumindest den Bereich „cool und futuristisch“ beherrschen deren Modelle alle und ziehen das auch konsequent durch. Vom extrem aufgeräumten buttonfreien Innenraum bis hin zu weißen (veganen) Ledersitzen. Und dass mein Wagen gerade lädt oder mich jemand anruft, zeigt mir auch das Display im ENYAQ und wenn der Fahrassistent gerade eine Notbremsung macht, dann merke ich das wohl als erstes in meinem Körper und brauche dazu nicht noch einen Hinweis von einem roten Lichtband.

Um es klar zu sagen: der ID.4 ist kein schlechtes Auto! Wirklich nicht. Und wer vielleicht nur 1,80 m groß ist oder keine zwei Kinder hat oder kein Problem damit hat, seine Koffer und Einkaufstüten über eine Ladekante zu heben, der kann auch mit dem ID.4 auf jeden Fall sehr glücklich werden.

 

Ich bin jedoch 1,93 m groß und mit 2 Kindern und Hund können auf Urlaubsfahrten ein paar Zentimeter und ein paar Liter durchaus einen großen Unterschied ausmachen. Insofern muss ich da nicht lange überlegen, welcher von den beiden Wagen im Alltag besser zu uns passt.

 

Die Frage ist aus meiner Sicht aber auch, wieso man am Ende mehr Geld dafür bezahlen soll, damit man in mindestens 15 Aspekten (und sei es auch nur ein bisschen) schlechter dasteht? Nur damit ein VW-Logo anstelle des Skoda-Logos vorne auf dem Auto prangt?

 

Ich tendiere eigentlich ansonsten in der Regel dazu, im Zweifel eher zur Premium-Marke als zur Billig-Marke zu greifen. Aber es gibt Grenzen. Und beim ENYAQ reichten einige wenige Autotests auf YouTube aus, um mich ganz schnell davon zu überzeugen, dass der ENYAQ der bessere ID.4 ist. Und dieser Titel wurde von zahlreichen Autotests verwendet. Bei Auto Motor und Sport landete der ENYAQ am Ende ebenfalls vor dem ID.4.


Auch in den Zulassungszahlen liegt der ENYAQ in vielen Monaten vor dem ID.4. Trotz der deutlich größeren Marketingpower und Reichweite von VW im Vergleich zu Skoda. Aber hier kann natürlich auch schlichtweg die Lieferbarkeit das Ergebnis verzerren, da die Produktion der Nachfrage bei beiden Autos massiv hinterherhinkt und inzwischen leider Wartezeiten von 12 Monaten und mehr eher die Regel als die Ausnahme sind.

 

Mein Skoda-Händler meinte jedenfalls zu mir, dass dank des ENYAQ plötzlich Kunden bei ihm auftauchen würden, die früher nie ernsthaft über einen Skoda nachgedacht hätten. Das kann ich definitiv bestätigen, denn ich gehörte bis August 2020 auch noch dazu.

 

Was ist also meine Empfehlung?

Meine Empfehlung ist ganz klar: Sitzt und fahrt ein Auto immer vorher Probe!

 

Nicht nur, weil 40.000 bis 50.000 EUR eine Menge Geld sind. Wobei aktuell ein Fehlkauf gar nicht so schlimm wäre, weil man ein 6 Monate altes E-Auto problemlos wieder verkauft bekommt. Sondern vor allem, weil man realistisch heute über ein Jahr auf ein neues Fahrzeug warten muss und dann sicher sein sollte, dass das lange Warten am Ende nicht von Frust gekrönt ist.

 

Und egal wofür Ihr Euch schließlich entscheidet (oder vielleicht bereits entschieden habt):

Hauptsache wir fahren alle voll elektrisch. Weil es besser für das Klima ist. Weil wir damit die Energiewende unterstützen. Aber auch weil es einfach mehr Spaß macht.

Das soll es für heute erst einmal gewesen sein. Ich danke für die Aufmerksamkeit und hoffe, auf ein paar Punkte hingewiesen zu haben, die Euch bei der Entscheidung helfen können.

 

Sollte ich einen Punkt übersehen haben, wo der ID.4 klar im Vorteil gegenüber dem ENYAQ ist (von der unterschiedlichen Reputation der Marken Skoda und VW natürlich einmal abgesehen), so lasst es mich bitte gerne in den Kommentaren wissen. Anders als bei meinem Model Y-Vergleich besitze ich keinen ID.4 und kann daher nur das wiedergeben, was in den Datenblättern steht, ich einem Test entnommen oder eben in der kurzen Zeit gesehen habe, in der ich direkten persönlichen Zugriff auf einen ID.4 hatte.

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